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Planet Biblioblog 2.0
Aktualisiert: vor 3 Jahre 38 Wochen

Bibliothekarisch.de: [OT] Weichgespült, abgerundet, den sprachlichen Charme verloren…

9. Januar 2013 - 18:24

Ich ärgere mich derzeit darüber, dass Kinderbücher derzeit regelrecht verstümmelt werden. An weichgespülte verdisneysierte amerikanische Märchenversionen hat man sich ja irgendwie schon gewöhnt, aber braucht man Kinderbuchklassiker wirklich “politisch korrekt”? Geht da nicht zu viel Charme verloren, wenn Kinder eine plattgedrückte, abgerundete Version in einer Einheitssprache zu lesen bekommen? Wo bleibt der sprachliche Lerneffekt, wenn man veraltete Begrifflichkeiten aus diesen Büchern klaut, anstatt zu erklären, was sie bedeuten, warum man sie vielleicht nicht mehr verwenden sollte und was stattdessen die bessere Variante wäre.

Jetzt vergreift man sich doch tatsächlich an Ottfried Preußlers “Die kleine Hexe” weil Begriffe wie “Negerlein” “Chinesenmädchen” und “Zigeuner” nicht mehr politisch en vogue sind und irgendjemand sich dadurch auf den Schlips getreten fühlt. Sorgen wir so nicht für eine Verarmung der Sprache und für den Verlust eines gesunden Sprachgefühls? Verlieren wir so nicht ein Stück Geschichte und Geschichtsbewusstsein, weil Änderungen in Einstellungen so verloren gehen?

Lesenswert dazu ist der Beitrag von Harald Eggebrecht in der Süddeutschen Zeitung: “Robinson Crusoes furchtbar korrekte Abenteuer

Ich weiß noch, wie sehr ich mich 2000 über die furchtbare neue Übersetzung Kreges vom “Herrn der Ringe” aufgeregt habe, wo aus Frodo nicht mehr Herr sondern ein Chef wurde und auf die Ehrenbezeugende Ansprache “Ihr” verzichtet wurde. Leider ist meine Ausgabe der Carroux-Übersetzung verloren gegangen. Mag sein, dass diese inzwischen 40-Jahre alte Fassung nicht ganz dem Original entspricht und die neue Übersetzung eventuell näher herankommt, aber dennoch hat die alte Version meiner Meinung nach einen viel größeren Charme. Die mögliche “Fremdheit” macht meiner Meinung nach nochmal viel deutlicher, in was für einer fantastischen Welt man sich bewegt.

Ist eigentlich dies auch ein Problem für BibliothekarInnen in öffentlichen Bibliotheken, weil sie darauf achten sollten, ihre Bestände politisch korrekt zu halten? Müssen alte Versionen ausgesondert werden? Dürfen nur noch die neuen Versionen angeschafft werden? Lässt sich so eine gewachsene Kultur überhaupt noch vermitteln und erleben? Müssen demnächst dann “Anglizismen” in Kinderbücher eingebaut werden, damit sie überhaupt noch verständlich für die Kinder sind? Ist das Anpassen vielleicht nicht nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, angestoßen durch überempfindliche Erwachsene?

Ich verstehe, dass wir eine kritische Auseinandersetzung mit Begriffen benötigen, die aus heutiger Sicht nicht mehr als politisch korrekt anzusehen sind, aber dies sollte auch immer im Kontext der Entstehungszeit eines Werkes passieren. Und ist es wirklich notwendig, Bücher einem sprachlichen und politischen Wandel anzupassen oder ist es nicht besser, im Vorwort fundierte Hinweise auf die Probleme zu geben und z.B. bei Büchern, die vorgelesen werden, alternative Begrifflichkeiten anzubieten? Wir fangen ja auch nicht an, lateinische Inschriften an Gebäuden zu entfernen und in Deutsch zu übersetzen, nur weil kein Mensch sie mehr versteht. Es kommt doch auch keiner ernsthaft auf die Idee Goethe, Gerhard Hauptmann oder Walther von der Vogelweide in ein “modernes Sprachkorsett” zu zwängen, oder? Wo fängt gesunder Menschenverstand an und ab wann sind Bücher einfach als nicht mehr “verkehrstauglich” zu bezeichnen? Geht es vielleicht auch oftmals nur noch darum, “Klassiker” als “neu und besser” zu vermarkten?

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Infobib: Hashtag des Jahres: #overlyhonestmethods

9. Januar 2013 - 17:55

Ja, das Jahr ist noch jung. Aber die Tweets zum Hashtag #overlyhonestmethods sind dermaßen mannigfaltig und unterhaltsam, dass eine Steigerung schwierig wird! Selbst wer keinen Twitter-Account hat und nichts damit zu tun haben will, sollte einmal einen Blick darauf werfen.

Worum geht’s? Robert T. Gonzales beschreibt es folgendermaßen (und hat auch schöne Beispiele gesammelt):

Have you ever conducted scientific research? Are you familiar with the less-than-glamorous (and sometimes surprisingly slipshod) ways of the world’s overworked, underpaid, and severely caffeinated scientists? Then #overlyhonestmethods is probably the funniest thing you’ll read today.

Es begann (wenn ich nichts übersehen habe) mit diesem Tweet von @dr_leigh. Und dann ging’s los. Und hört seitdem nicht mehr auf. Ein paar aktuelle Beispiele?

The microbalance was so temperamental that an undergrad named it “Larry” in order to yell at it more effectively. #overlyhonestmethods

— Jacquelyn Gill (@JacquelynGill) Januar 9, 2013

#overlyhonestmethods. Capture rates were maximised by whispering ‘here fishy fishy’ during net retrieval

— David M Watson (@D0CT0R_Dave) Januar 9, 2013

I’m struggling to follow your argument.That’s your fault, and nothing to do with the hangover.Revise and resubmit. #overlyhonestreviews

— Iain Brassington (@Dr_Enzyme) Januar 9, 2013

We’re only including this section in the paper because all the references are already stored in our EndNote library #overlyhonestmethods

— Paul Coxon (@paulcoxon) Januar 8, 2013

we didn’t read half of the papers we cite because they are behind a paywall #overlyhonestmethods #OA

— Sylvain Deville (@devillesylvain) Januar 8, 2013

Ein paar weitere Sammlungen gibt es hier, hier, hier, hier, …

PS: Inzwischen gibt es auch #overlyhonestreviews.

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Infobib: Bibliographix Bachelor (für Windows)

9. Januar 2013 - 16:38

Gerade kam per Mail die Ankündigung einer neuen, schlankeren Version der Literaturverwaltungssoftware Bibliographix herein:

Bibliographix Plus, die kostenlose Literaturverwaltung für Windows hat einen kleinen Bruder bekommen: Bibliographix Bachelor.

Was soll diese Literaturverwaltung können, was die, die Sie schon anbieten, nicht kann?

Eine Entwicklung, die ich bei den “high-end” Literaturverwaltungen beobachte – und von der ich Bibliographix auch nicht ausnehmen kann – ist, dass der Funktionsumfang immer weiter zugenommen hat. Dadurch sind die Programme zwar leistungsfähiger, aber auch komplizierter geworden. Das geht gar nicht anders.

Das Dumme dabei ist, dass die Programme auf diese Weise – langsam aber sicher – an der großen Zielgruppe der Bachelor- und Master-Studierenden, vorbeigehen. Also an 90% der Hochschulangehörigen. Für die sind die “großen” Literaturverwaltungen schlicht und einfach überdimensioniert. Der Aufwand, sich in die Software einzuarbeiten, lohnt sich für diese Gruppe einfach nicht, wenn der Literaturanhang der Abschussarbeit drei oder vier Seiten lang ist.

Die Konsequenz für Sie, in Bibliothek oder Medienzentrum, ist, dass Sie Geld ausgeben um ein Angebot machen, das vielleicht nur sehr zögerlich bis gar nicht angenommen wird. Die Konsequenz für mich, in meinem Beruf als Hochschullehrer, ist, dass ich zu häufig Abschlussarbeiten bewerten muss, deren formales Niveau mangelhaft ist.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine stark vereinfachte Version von Bibliographix Plus zu erstellen.

Weitere Infos auf bibliographix.de.

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IBI-Weblog: Praktikum in der Bibliothek des Deutschen Instituts für Menschenrechte

9. Januar 2013 - 13:15

Die Bibliothek des Deutschen Instituts für Menschenrechte bietet für Kurzentschlossene ab Anfang Februar ein Vollzeitpraktikum für mindestens 2 Monate an. Zu den Aufgaben gehören u.A. :

  • Katalogisierung
  • Auskunftsdienst
  • Fernleihe
  • Recherche
  • Sacherschließung

Das Praktikum wird mit 400€/Monat vergütet. Bewerber können sich noch bis zum 18.01.2013 bewerben. Alle Infos gibt es in der Ausschreibung.

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Nachrichten fuer oeffentliche Bibliotheken in NRW: Solingen: Internet-Café startet in der Stadtbibliothek

9. Januar 2013 - 5:15
Das Internet-Café soll am Montag, 14. Januar, am neuen Standort in der Stadtbibliothek in den Clemens-Galerien eröffnet werden. “Die Umbauarbeiten sind bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen, die Rechner können innerhalb eines Tages aufgestellt werden”, sagt die Leiterin der Stadtbibliothek, Sylvia Heinrichs-Reinshagen. … Weiterlesen →
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Basedow1764's Weblog: Anmeldung zum 21. HSBT offen

8. Januar 2013 - 18:25
Ab sofort ist die Anmeldung zum 21. Hessischen Schulbibliothekstag möglich: Programm und Anmeldung auf der Website der LAG Schulbibliotheken. Der 21. Hessische Schulbibliothekstag findet am 02. März 2013 an der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar (bei Gießen) statt und steht unter dem … Weiterlesen →
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Basedow1764's Weblog: Förderprogramm der Aktion Mensch

8. Januar 2013 - 9:02
Es geht um Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund, um Sozialarbeit, um Gemeinnützigkeit. Zeitlich befristete kleinere Projekt werden mit bis zu 4.000 € unterstützt. Es müssen Eigenmittel eingesetzt werden. Vielleicht ist es für findige Schulbibliotheksmenschen dennoch einen Versuch wert, ein Vorhaben … Weiterlesen →
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Basedow1764's Weblog: Rücktritt der Stuttgarter Kultusministerin

8. Januar 2013 - 8:03
Über die baden-württembergische Kultusministerin  Warminski-Leitheußer hatte ich schon einmal berichtet: Sie sollte über 11.000 Lehrerstellen einsparen und fing bei den Anrechnungsstunden für die Schulbibliothek an. Keine pädagogische Arbeit am Kind werde dort verrichtet, behauptete sie. Nun wurde die von Anfang … Weiterlesen →
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Blog Librarian in Residance - Goethe-Institut New York: The End(s) of the Library: “Processing”

7. Januar 2013 - 23:10
Am Samstag (5.1.2013) fand von 18 – 21 Uhr die Eröffnung der zweiten Installation unseres Projektes statt. Julieta Aranda, Fia Backström und R. Lyon, die drei Künstler, gaben sich zunächst sehr bedeckt, was sie machen wollen und was am Samstag geschehen würde. Von Anfang war klar, dass sie besonders an unsere Katalogdatenbank interessiert waren. In den letzen Wochen und Monaten haben wir ihnen unsere in dem Katalogisierungsprogramm Allegro eingegebenen Daten in verschiedenen Versionen zugeschickt. Als sie am Mittwoch mit der Installation der Ausstellung begonnen haben, brachten sie auf großformatigen Papieren und Papierstreifen ausgedruckt Rohformen der Katalogdaten, mit allen Sonderzeichen und Lücken.

Am Freitag informierten sie uns dann, dass sie am Samstag eine dreistündige Lesung veranstalten wollten, bei der die Katalogeintragungen mit allen Sonderzeichen, Leerzeichen, Steuerzeichen etc. gelesen wurden. Insgesamt 17 Personen lasen für je 15 Minuten, teilweise zeitgleich und teilweise mit Unterstützung einer Computerstimme - die erheblich weniger Schwierigkeiten hatte, die z.T. wirklich kryptischen Symbole richtig zu bezeichnen. 30 Seiten der Katalogdatenbank wurden somit akustisch vorgeführt. Ein Besucher meinte, dass es eigentlich konsequenter wäre, wenn die gesamte Datenbank auf diese Weise gelesen würde. Ein ebenso interessanter wie erschreckender Gedanke – das wären nämlich 30.000 Seiten. 4 Monate würde es dauern, wenn man die Datenbank in einer 24/7 performance lesen lassen würde. Das würde die Toleranz aller Kollegen, die bisher unsere künstlerische Um- und Neuinterpretation der Bibliothek mit Interesse, Toleranz, Neugier und gelegentlichem Amüsement verfolgt haben, wohl doch überstrapazieren.

Zurück zu Samstag Abend: neben der Lesung und den partiellen Ausdrucken unserer Datenbank, gab es auch noch einige Ausdrucke, die in einem „human readable type“ geschrieben wurden. Mehr Infos zu dieser Schriftart, die nur von menschlichen Lesern (und nicht von Maschinen) gelesen werden kann und die Anleitung, wie man diesen „Schrifttypus“ auf seinem Computer installieren kann, finden sich hier http://www.humanreadabletype.com/. Der Hintergrund dieser Typographie ist, dass die einzelnen Worte nicht von Maschinen korrekt gelesen werden können, der menschliche Leser kann aus den an sich unsinnigen Zeichenkombinationen, die an normale Schrifttypen erinnern (z.B. § für s) sinnvolle Zusammenhänge erschließen.

Der dritte Beitrag, der sich ebenfalls mit unserer Datenbank beschäftigt, ist ein Video, das einfach verfolgt, wie durch einen Ausschnitt der Daten die Wörter „Hitler“ und „Kafka“ verfolgt werden. Unterlegt ist das Ganze mit Musik einer deutschen Experimentalmusikerin.

Als ich die Künstler und unsere Kuratorin vorher fragte, wieviele Besucher sie für Samstag Abend erwarten, meinten sie, dass so ca. 30 bis 50 wohl kommen würden. Weit gefehlt – mehr als 100 Personen strömten im Laufe des Abends ins Goethe-Institut, schauten sich die Installation an und hörten der Lesung zu. Nachdem wir für das Projekt eine Anzeige bei e-flux geschaltet hatten, verbreitete sich offensichtlich die Nachricht (und die Neugier). Außerdem hatte www.artcards.cc das Projekt für Samstag Abend zu seinem „Editor’s Pick“ gewählt.
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LIBREAS.Library Ideas: Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und Technik in Wissenschaftsinfrastrukturprojekten.

7. Januar 2013 - 18:22
zu: Sonja Palfner, Ulla Tschida: Grid: Technologie und soziale Praxis. In: Technikfolgenabschätzung. Theorie und Praxis. 21 / Heft 2. November 2012. S. 50-53 Unter den Projekten zur Digitalisierung der Wissenschaftspraxis in der Bundesrepublik der 2000er Jahre ragt die D-GRID-Initiative markant hervor. Das begründet sich einerseits aus ihrem Anspruch heraus, Grid-Computing in enger Kooperation mit den [...]
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Duftender Doppelpunkt: Zum siebzigsten Todestag von Richard Zach

7. Januar 2013 - 15:46

Die AutorInnen der TARANTEL wollen das schmale Werk Richard Zachs dem Vergessen entreißen.

Den Beginn der Erinnerungsveranstaltungen macht Werner Lang mit Texten von Richard Zach.

Wann: 10. Jänner 2013 um 19 Uhr
Wo: Werkl im Goethehof, Schüttaustraße 1, 1220 Wien

Richard Zach 1919-1943

Richard Zach kam am 23. März 1919 in Graz als zweiter Sohn einer Arbeiterfamilie zur Welt.

Sein Vater Rupert war als Fassbinder in der Brauerei Puntigam in Graz beschäftigt. Seine Mutter Wilhelmine arbeitete neben Haushalt und Familie an den Wochenenden als Aushilfe in einem Gasthaus.

1931 musste die Familie Zach ihre enge Wohnung verlassen und in eine Kellerwohnung umziehen.
Richard Zachs Mutter starb 1932. In dem Gedicht „Aus meiner Jugend“ schildert er die neuen Wohnverhältnisse, die die Mutter, neben unermüdlichem Arbeiten, in den Tod trieben:

Dann klebte auf den Scheiben eine braune Kruste.
Die Füße ohne Körper glitten schnell vorbei.
Wir kauerten am Ofen, eingetaucht in Blei.
Bei Güssen sickerte aus Bodenfugen das Wasser.
Ein Kanalschacht lief darunter.
Da wurden wir dann wieder etwas munter,
wenn wir die vollen Eimer aus der Stube trugen.
Die Straßenköter schauten durch das Fenster zu.
Sonst ließ die fromme Mitwelt uns in Ruh`.

Nach dem Tod der Mutter wurde er von seinem Bruder getrennt und kam in die Obhut von Verwandten.

Zwischen Februar 1934 und der Okkupation Österreichs

Von 1934 bis 1938 besuchte Richard Zach die Bundeslehrerbildungsanstalt in Graz.
Die Februarereignisse 1934 waren für ihn ein einschneidendes gesellschaftspolitisches Ereignis. Über die Vernichtung der Arbeiterbewegung unterrichtet uns sein in dieser Zeit entstandenes Gedicht, „Poem“. Dessen Inhalt ist durch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der damaligen Zeit geprägt. Es steht stellvertretend für die Niederlage der österreichischen Arbeiterbewegung.

Um diese Zeit trat Richard Zach aktiv in das politische Geschehen ein und half bei der Gründung einer Widerstandsgruppe.
Als er die Matura mit Auszeichnung bestand, war die politisch-kulturelle antifaschistische Tätigkeit der halblegalen Jugendorganisation „Jung-Freiheitsbund“ schon voll im Gang. Und Richard Zach war aktiv daran beteiligt.

Im Herbst 1937 wurde für das Studium der Theorie und Praxis des „Wissenschaftlichen Sozialismus“ ein geheimer Marxistischer Arbeitskreises gegründet.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Aufbau antifaschistischer Gruppen in Graz und der Steiermark verstärkt.

In der Deutschen Wehrmacht – 2. Weltkrieg

Im Herbst 1938 rückte Richard Zach zum deutschen Heer ein. 1939 musste er als Kanonier und Chauffeur mit seinem Regiment am „Polenfeldzug“ der Nationalsozialisten teilnehmen.

Nach seiner Rückkehr entzog er sich dem Militärdienst, indem er von 1939 bis 1940 einen Spitalsaufenthalt erzwang.
In dieser Zeit verfasste er Aufsätze und Schriften und erörterte mit seinen Besuchern politische Fragen. Danach ging die Widerstandsgruppe um Zach dazu über, nach außen zu wirken, Schmieraktionen zu unternehmen und Flugzettel zu verbreiten.

Richard Zach erreichte mit verschiedensten Aktionen am 21. Januar 1941 die Dienstuntauglichkeit. Er wurde aus der Wehrmacht entlassen und am 1. Februar 1941 wieder als Lehrer in Graz eingesetzt.

Antifaschistische Arbeit und Verhaftung

Im Frühjahr desselben Jahres begann eine groß angelegte Verhaftungswelle, die auch die Gruppe um Richard Zach erfasste. Am 3. Februar wurde als Erste Elfriede Neuhold festgenommen. Für kurze Zeit übernahm Erich Neuhold die Aufgabe seiner älteren Schwester. Daraufhin wurden weiter Flugzettel und die Zeitschrift „Der Rote Stoßtrupp“ hergestellt und verbreitet, auch um die Verhafteten zu entlasten. Neben seiner Arbeit im antifaschistischen Widerstand entwickelte Richard Zach seine literarische Tätigkeit weiter.

Am 31. Oktober 1941 wurde Richard Zach in Graz verhaftet.
15 Monate wird der Dichter und Lehrer im nationalsozialistischen Kerker verbringen.
In Haft versuchte er so bald als möglich, Informationen über den Stand der polizeilichen Ermittlungen gegen seine Gruppe zu sammeln. Nachrichten wurden u. a. über seine, ihn anfangs des Öfteren besuchende Freundin Hermine Kohlhauser aus dem Polizeigefängnis geschmuggelt. Unter anderem versteckte Richard Zach im Gummizug seiner Schmutzwäsche kleine Zettel, die dann aus der Haftanstalt in Wäschepaketen zu seiner Freundin oder zu seinen Verwandten kamen. Nicht wenige Zellengedichte, die auch Kassiber genannt werden, gelangten später auf diese Weise ins Freie.

Als am 17. Dezember 1941 sein Freund Alois Geschwinder in das Polizeigefängnis eingeliefert wurde, wies man ihm die Zelle neben Richard Zach zu. So konnten sie sich über Fragen und Aussagen in den Verhören austauschen. Später gingen sie dazu über, die Informationen durch die Wand zu morsen. Geschwinder hatte einen Bleistift mit in die Zelle geschmuggelt. Er übertrug die Mitteilungen von Richard Zach auf Zeitungsränder. Auf diese Weise wurden einige Zachsche Gedichte zu Papier gebracht.

Seine brieflichen und lyrischen Aufzeichnungen setzte Richard Zach auch im Zuchthaus Berlin Brandenburg fort, in das er am 14. Februar 1942 eingeliefert worden war.
Er wurde mit drei weiteren Wehrmachtsangehörigen als Hauptangeklagter vor einem Militärtribunal in Berlin gestellt.
Die Anklagepunkte waren: „Wehrkraftzersetzung“, „Hochverrat“, Versuch der „Lostrennung eines zum Reich gehörigen Gebietes“ (Österreich).

Todesurteil

Am 18. August 1942 wurde Richard Zach zum Tode verurteilt.
In der gesamten Haftzeit, die er in Berlin verbrachte, verlor Richard Zach nahezu zwanzig Kilo an Körpergewicht. In einem Brief vom 3. September 1942 schrieb er: „… Schlaff, müde, fast täglich, stündlich bin ich matt, weil ich nichts leiste?“Und in einer Äußerung im „Kassiber“ heißt es: „In Berlin ist es ja – abgesehen von allem anderen – ein langsames Verhungern!“
In der Haftzeit zwischen 31. Oktober 1942 und 27. Jänner 1943 entstanden so unter schwierigsten Bedingungen nahezu 800 Gedichte und etwa 100 Seiten Briefe und Notizen, flüchtig in Themenkreisen geordnet, niedergeschrieben und auf Umwegen in Sicherheit gebracht. Dem standen 120 Gedichte vor der Haftzeit gegenüber.
Des Weiteren beschrieb er die räumlichen Verhältnisse in den Zellen, das schwache Licht darin, das den Gefangenen in einen Dämmerzustand versetzte. „Der lampengelben Nacht“, dem „fahle“(n) Flimmern, folgt der graue, leblose Zellentag; und die Verhöre, die meist unter schwerer Folter stattfanden.
„Eingeschachtelt zwischen Mauern, die Stunden durchhungern“(t) (23. 9. 1942)“ … eingeschraubt zwischen Wänden und Todesgewissheit …“ (1. 9. 1942) „… Düster jede Stunde, kein freundlicher Schimmer durch die dicken Scheiben, kein belebender Fleck Helle auf den fahlen Wänden, die Luft fast wie ein zäher Dunst vor den Augen, um die Stirn, hinter der Stirn …“ (2.11. 1942).

Ende November/Anfang Dezember 1942 war er nochmals als Zeuge in Graz.
Alfred Zach berichtete von einer Gegenüberstellung mit seinem Bruder bei der Grazer Gestapo: „Stelzl und Komplizen hatten meinen Bruder durch Misshandlungen derart zugerichtet, sein Gesicht war zerschlagen, verkrustet von alten Wunden, körperlich völlig heruntergekommen. Er erhielt vier Wochen Dunkelhaft, wurde täglich geprügelt und hat in meiner Anwesenheit durch Stelzl Faustschläge ins Gesicht erhalten.“

Den Menschen verbunden

In seinen Gedichten aus der Einzelzelle spricht er auf vielfältige Weise, nicht nur zu jenen Menschen, denen er sich bis zu seinem Tod verbunden fühlt, sondern zu allen Menschen. Denn in 130 Gedichten von ihm steht der Mensch im Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Sein literarisches und nicht-literarisches Vermächtnis besteht aus etwa 1500 beschriebene Seiten. Richard Zach:“ … der so gern lebte,“ sagte zum Schluss: „Sie sollen uns nicht zittern sehen.“

Für die Freiheit Österreichs

Am 14. Jänner 1943 wurde Richard Zach wieder nach Berlin transportiert.
Am Mittwoch, den 27. Jänner 1943 um 19 Uhr wurde im Zuchthaus Brandenburg das Urteil vollstreckt. „Grüße mir die Welt, grüße mir die Gefährten, die Sonne und den Grashalm und das All!“, schreibt er, als er sich auf seine Hinrichtung vorbereitete, an seine Freundin Herma (Hermine Kohlhauser).

Es wurden insgesamt 2700 Österreicherinnen als Widerstandskämpferinnen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Viele andere verloren in den Gefängnissen und Konzentrationslagern ihr Leben. Auf sie berief sich nach der Befreiung das offizielle Österreich im Ringen um den Staatsvertrag.

Zahlen, Daten und frei zitierte Literatur entnommen aus:

  • Richard Zach „Zellengedichte“, freibord 11 und 12, Verleger und Herausgeber: Gerhard Jaschke u. Ingrid Wald, alle: 1180 Wien, Theresiengasse 53.
  • Richard Zach „streut die Asche in den Wind“, ausgewählte Gedichte, herausgegeben und eingeleitet von Christian Hawle. Verlag Hans-Dieter Heinz, Akademischer Verlag Stuttgart 1988.
  • Richard Zach, „Die schönen Worte fallen welk und fremd … Kassibertexte“, herausgegeben, Christian Hawle, Verlag, Bibliothek der Provinz, 1993.
  • Oberkommissar Stelzl Johann: Folterungen bei der Gestapo Graz.
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ciberaBlog: Blogs zur Geschichte in Mexiko

7. Januar 2013 - 15:23

Auf Clíotropos stellt Felipe Castro Gutiérrez mexikanische Geschichts-Blogs vor und freut sich dabei, einen Zuwachs in diesem Bereich bilanzieren zu können:

Como ya ha sido tradición de Clíotropos, les entrego aqui el listado findeañero de los blogs dedicados a a la historia de México. Mi propósito siempre ha sido siempre llamar la atención sobre las virtudes de estas “bitácoras” para la difusión de la historia, así como alentar a nuevos autores y comentar tendencias.
[...]
Se aprecia un crecimiento modesto, pero constante.

Zu den 2012 neu ins Leben gerufenen Blogs, die sich dem Thema Geschichte in Mexiko widmen, gehören:

Diese und bereits bestehende Blogs finden Sie in der Zusammenstellung auf Clíotropos: «La blogosfera de historia mexicana en 2012».

[via @marindacos]

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Lesewolke's Blog: Gelesen in Biblioblogs (1.KW’13)

7. Januar 2013 - 6:00
Am 1. Januar 2013 war der jährliche Public Domain Day, also der Tag, an dem Werke, deren Urheber im Jahr 1942 verstorben sind, gemeinfrei wurden. Ein umfangreiche Liste findet man bei Wikimedia (via VÖBBlog). Diesmal dabei sind unter vielen anderen Stefan Zweig und Lucy Maud Montgomery. Wozu benötigt man eigentlich noch Bibliotheken, wenn elektronische Medien [...]
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bibcomic: Grimm'sche letzte Sätze

6. Januar 2013 - 20:38

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Library Mistress: Hörbuch über Jugend im Widerstand

6. Januar 2013 - 18:42
Morgen wird in der Wiener Hauptbücherei das Hörbuch "Nicht nur in Worten, auch in der Tat" von Käthe Sasso präsentiert (erschienen im Berliner Verlag supposé Berlin - Cover links vom Verlag).

Als 16-jährige Widerstandskämpferin wurde Käthe Sasso 1942 von der Gestapo verhaftet; ihr Leidensweg führte sie durch Gefängnisse und Arbeitserziehungslager bis in das KZ Ravensbrück. Angeklagt wegen "Vorbereitung zum Hochverrat", bewahrte nur das jugendliche Alter Käthe Sasso vor der Todesstrafe. Nach der Räumung des KZ Ravensbrück rettete sich Sasso 1945 durch Flucht aus dem Todesmarsch in Richtung Bergen-Belsen und konnte nach Wien zurückkehren. Anschaulich und lebendig erzählt Käthe Sasso im Hörbuch von einer glücklichen Kindheit in einem burgenländischen Dorf, der Schulzeit in Wien und der politischen Prägung durch das familiäre Umfeld. Nach dem frühen Verlust der Mutter hielt sie die Verbindungen zum Widerstand aufrecht; durch einen Spitzel wurde die Gruppe verraten. Es ist auch dem Einsatz Sassos zu danken, dass der Begräbnisstätte der hingerichteten WiderstandskämpferInnen am Wiener Zentralfriedhof ("Gruppe 40") die angemessene und würdige Pflege zuteil wird. Mit enormem Engagement nimmt Sasso bei vielen Veranstaltungen die Verpflichtung zur Zeitzeugenschaft wahr und beindruckt vor allem durch ihre Authentizität, mit der sie den schlichten Heroismus der Solidarität im Lebensalltag unter barbarischen Bedingungen vermitteln kann. Im Oktober 2011 wurde sie mit dem Bundesverdienstzeichen in Gold ausgezeichnet. Die Burgenlandkroatin stammt ursprünglich aus Nebersdorf/Šuševo, einem Ortsteil von Groß Warasdorf / Veliki Borištof, und wohnt mittlerweile in Winzendorf.

Programm: Einleitung: Hannah Lessing (Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus). Evelyn Steinthaler: Zur Entstehungsgeschichte des Hörbuchs. Käthe Sasso im Gespräch mit Rudolf Gelbard.
Ort und Zeit: Montag, 7. Jänner, 19 Uhr, Hauptbücherei, Urban-Loritz-Platz (U6 Burggasse Stadthalle, 49 Urban-Loritz-Platz).

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Duftender Doppelpunkt: Nicht nur in Worten, auch in der Tat

6. Januar 2013 - 11:39

Präsentation des Hörbuchs „Nicht nur in Worten, auch in der Tat“. Käthe Sasso erzählt ihre Jugend im Widerstand (supposé Berlin)

Wann: Montag, 07. Jänner 2013, 19:00 Uhr
Wo: Hauptbücherei, 1070 Urban Loritz-Platz 2a

Käthe Sasso im Gespräch mit Rudolf Gelbard
Einleitung: Hannah Lessing vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und Evelyn Steinthaler: Zur Entstehungsgeschichte des Hörbuchs.

Als 16-jährige Widerstandskämpferin wurde Käthe Sasso 1942 von der Gestapo verhaftet; ihr Leidensweg führte sie durch Gefängnisse und Arbeitserziehungslager bis in das KZ Ravensbrück. Angeklagt wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“, bewahrte nur das jugendliche Alter Käthe Sasso vor der Todesstrafe. Nach der Räumung des KZ Ravensbrück rettete sich 1945 Käthe Sasso durch Flucht aus dem Todesmarsch in Richtung Bergen-Belsen und konnte nach Wien zurückkehren. Anschaulich und lebendig erzählt Käthe Sasso im Hörbuch von einer glücklichen Kindheit in einem burgenländischen Dorf, der Schulzeit in Wien und der politischen Prägung durch das familiäre Umfeld. Nach dem frühen Verlust der Mutter hielt sie die Verbindungen zum Widerstand aufrecht; durch einen Spitzel wurde die Gruppe verraten.

Rudolf Gelbard wurde als Sohn einer assimilierten jüdischen Familie geboren. Im Alter von elf Jahren wurde er gemeinsam mit seinen Eltern in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die Familie erlebte die Befreiung in Theresienstadt und kehrte im Mai 1945 nach Wien zurück. Seitdem ist Gelbard Mitglied der Freiheitskämpfer und setzt sich – auch als Vorstandsmitglied des DÖW – für die Aufklärung der NS-Verbrechen ein.

Erinnerung, sprich. Käthe Sasso bewegt mit ihren Erlebnissen aus Widerstand und KZ. ZEIT ONLINE vom 20.09.2012.

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