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Bibliothekarisch.de: Zum Internationalen Tag gegen Lärm: “How Quiet Should Libraries Be?”

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 21:08

“Wo Bücher sind, herrscht meist papierne Stille. Vor den Lesesälen der Bibliotheken mahnt ein Schild zur Ruhe, vor der Schrift verstummt die Rede, wenn wir le-sen, schweigt der Mund.” Tilla Schnickmann

Am heutigen „Tag gegen Lärm – dem International Noise Awareness Day“ möchte ich fünf aktuellere Beispiele aus Bibliotheken und deren Forschung zitieren, in denen das Thema Lärm eine Rolle spielt(e). 2010 wurde hier bereits zu diesem Internationalen Tag gegen Lärm ein Blogpost verfasst, der sich auch mit den Klischees der “Shushing Librarians” auseinandersetzte.

Viel Lärm um nichts, oder was war da im März los, in München? Auch in der Bayerischen Staatsbibliothek gab es am 1. März 2013 einen öffentlichkeitswirksamen “Flitzer-Vorfall”. Die Konsequenzen war unter anderem die Verstärkung des Sicherheitspersonals.

Die Bibliothekarin Calypso Nash wurde vor kurzem von der Oxford University entlassen, weil sie Lärm in ihrer Bibliothek zuließ und den derzeit weltbekanntesten Tanz nicht verhinderte. Vergeblich setzten sich ihre Studenten dafür ein, dass die Bibliothekar Calypso Nash wieder eingestellt werden sollte. Es handelte sich um den im Internet weltweit verbreiteten Harlem ShakeIn Australien wurden deshalb auch schon Arbeiter einer Goldmine entlassen, da sie den Harlem Shake unterirdisch durchführten und hierzu ein Video bei YouTube einstellten.

Laut der Studie “Library Services in the Digital Age” des Pew Research Center vom Januar 2013, in der 2.252 US-Amerikaner befragt wurden, ergab dass die sich die Nutzer und Nutzerinnen vier wichtige Angebote in Bibliotheken wünschen: BibliothekarInnen, die dabei helfen Informationen zu finden, Bücher ausleihen zu können, einen freien Zugang zu Computern und zum Internet und an vierter Stelle folgte der Wunsch nach ruhigen Lernorten für Kinder und Erwachsene ebenso. Laura Miller, die Autorin des Artikels “Bring back Shushing Librarians” macht deutlich, dass Bibliotheken insbesondere für Menschen, die nicht über die finanziellen Mittel verfügen an ruhigen Orten zu wohnen und Ruhe zu finden, einen Ort bieten, der ihnen dies ermöglicht.

I can see why someone who works in a hushed library might prefer to see it become as lively as a cafe, street corner, park bench or the Apple Store, but we already have those places to go to when we want to sit and visit or to congregate around a screen. Where will we go when we need some peace?For rich people, that’s not a problem. They live in spacious homes, glide along in hermetically sealed cars, book weekends in restful spas, dine in restaurants where the nearest table is 6 feet away. Quiet is one of the sweetest luxuries they’re able to afford. But most rich people don’t use libraries. For the rest of us, refuge from this cacophonous world is getting harder and harder to come by. Let’s hope librarians are listening to all the patrons asking them not to take it away.”

Lucia Hacker aus Deutschland hat sich 2011 in ihrer Masterarbeit “Lärmort” Bibliothek? : Der Lern- und Kommunikationsort Bibliothek im Spannungsfeld unterschiedlicher Nutzerbedürfnisse am Beispiel der Universitätsbibliothek Erfurt” eingehend dieser Frage vom Lärmort Bibliothek gewidmet und hierzu eine spannende Arbeit abgeliefert. Ihre These lautete, dass jede Bibliothek, insbesondere solche Einrichtungen, welche von der sogenannten “Generation Blogogna” frequentiert werden, über sogenannte Geräuschhabitate verfügen. Dabei zitierte sie Steffen Wawra vom Deutschen Bibliotheksverband, der diese als lebendige Lernorte und Orte der Kommunikation bezeichnet. Das mag sicherlich stimmen, aber es könnte in bestimmten Fällen auch eine euphemistische Beschreibung sein. Herausforderungen liegen nun für Bibliotheken darin, eine möglichst breite Vielfalt an Nutzerbedürnissen nachzukommen. Hacker entwickelte mithilfe von Soundkarten eine “Kartographie des Lärms”. Die Geräuschhabitate sind sich durch den Bibliotheksbau, die Bibliotheksnutzer und das Bibliotheksmanagement zu begründen. Die Autorin der Masterarbeit führte eine telnehmende Beobachtung und eine Online-Nutzerbefragung durch. Ergebnisse hierzu wurden auf den eben beschriebenen “Soundkarten” sichtbar gemacht. Dadurch wurde es möglich für die Erfurter Universitätsbibliothek im Speziellen die Zonen herauszufiltern, in denen es ratsam ist, Ruhebereiche einzurichten.

Wann und warum werden Bibliotheken laut? When and why did libraries get so loud? Im folgenden Video äußern sich Schüler und Schülerinnen der Winward High School über die Vorteile von gemeinsamenLernräumenund geben Empfehlungen asb, wie Regeln in Schulbibliotheken aussehen könnten.

How Quiet Should School Libraries Be? — UnQuiet CTL Fall 2012 from Windward School on Vimeo.

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Infobib: Yahoo schließt Upcoming

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 20:30

Yahoo schließt mal wieder alle möglichen Dienste. Ein Grund mehr, keine weitere Sekunde in Pipes zu stecken. Die Entscheidung für einen selbstgehosteten Aggregator für den Plan3ten war definitiv richtig.

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Duftender Doppelpunkt: Bücherverbrennung in Salzburg

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 18:23

Am Vorabend des 1. Mai 1938, nur wenige Wochen nach dem „Anschluss“, findet am Residenzplatz in der Salzburger Altstadt die einzige offizielle nationalsozialistische Bücherverbrennung in Österreich, der damaligen Ostmark, statt. Circa 1.200 Bücher aus Leihbüchereien, Buchhandlungen und privaten Haushalten bilden das Brennmaterial für den Scheiterhaufen.

Anders als bei den Bücherverbrennungen 1933 im Deutschen Reich legen die Verantwortlichen in Salzburg den Schwerpunkt nicht nur auf die Vernichtung der Literatur linker, pazifistischer und jüdischer AutorInnen. Ihr Augenmerk gilt auch der Auslöschung des Schrifttums aus dem katholischen, ständestaatlichen bzw. austrofaschistischen und legitimistischen Bereich.

Karl Springenschmid, der Initiator der Bücherverbrennung in Salzburg, formuliert in seiner Feuerrede programmatisch: „Verbrannt, vernichtet sei alles, was an klerikaler Knechtung und jüdischer Verderbnis den Aufbruch einer wahrhaft deutschen Kultur behinderte.“ (Salzburger Volksblatt, 2. Mai 1938)

In Flammen gehen unter anderem die Werke von Joseph August Lux, Max Reinhardt, Otto von Habsburg, Kurt Schuschnigg und Stefan Zweig auf.

Das Literaturrätsel im „Duftenden Doppelpunkt“
Anlässlich des Gedenkens an die Salzburger Bücherverbrennung vom 30. April 1933 widmen wir das aktuelle Literaturrätsel einem Autor, der lange Jahre in Salzburg lebte.

VERANSTALTUNGSPROGRAMM 75 JAHRE BÜCHERVERBRENNUNG IN SALZBURG

Rund um den Tag der Erinnerung an die Salzburger Bücherverbrennung im April 1938 finden in der Stadt Salzburg bis zum 6. Mai 2013 zahlreiche Veranstaltungen, Projekte, Aktionen und Ausstellungen statt – organisiert von engagierten Personen und Institutionen, vernetzt in der Initiative „Freies Wort“.

Weiterführende Links

Literaturhaus Salzburg – Bücherverbrennung 1938

75 Jahre Salzburger Bücherverbrennung – 12 Stunden Programm auf der Radiofabrik

Fotoarchiv Franz Krieger: Bücherverbrennung am Residenzplatz

Salzburger Friedensbüro: Materialien zur Salzburger Bücherverbrennung

Stefan Zweig Centre Salzburg

Auch die Salzburger Universitätsbibliothek trägt mit einem umfangreichen Programm zum Gedenken an die Bücherverbrennung in Salzburg bei.

Infos über die Bücherverbrennung 1933 im Deutschen Reich finden Sie auf der Seite 80 Jahre Bücherverbrennung.

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netbib weblog: Restaurierung und Erschließung eines alten Buchbestandes

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 16:13

Knapp 10.000 Bände alter Bücher hat die UB Bern von der Stadtbibliothek Thun geschenkt bekommen. Nun sind die Bände restauriert und über den Katalog erschlossen. [via Berner Zeitung]

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Library Mistress: The end of the world

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 15:39

This is how the world ends. Not with a bang, but with Yahoo buying it and then unceremoniously turning it off several years later.

— tjowens (@tjowens) April 24, 2013
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ciberaBlog: Teotihuacán: Roboter suchen unentdeckte Gräber

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 14:50

Bereits im Vorjahr wurde auf La Jornada über die abenteuerlich anmutenden Ausgrabungsarbeiten im Tunnel unter der Quetzalcóatl-Pyramide in Teotihuacán berichtet, die unter der Leitung des Archäologen Sergio Gómez Chávez durchgeführt wurden: «Reanudan exploración de túnel en Teotihuacán» (La Jornada, p.7, 25.4.2012). Ausführliche und ganz aktuelle Information in Text und Bild gibt es auch bei Gizmodo:

Arqueólogos del Instituto Nacional de Antropología e Historia de México planean utilizar un robot para investigar los confines de un túnel que se encuentra debajo del Templo de la Serpiente Emplumada en Teotihuacan.

Weiter auf Gizmodo: «Arqueólogos explorarán cámaras secretas de Teotihuacán con un drone».

[via @EmbaMexAle]

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Infobib: Stellungnahme des BID zu Edwin Mellen Press vs. Dale Askey

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 10:36

In einem Kommentar im Wisspub-Blog bezieht Heinz-Jürgen Lorenzen (Präsident des BID) im Namen seines Verbands Stellung zur Klage des Verlags Edwin Mellen Press gegen Dale Askey (siehe auch hier):

Bibliothek & Information Deutschland (BID), der Dachverband der bibliothekarischen Verbände, ist tief besorgt, dass Edwin Mellen Press mit einer privaten Klage gegen Dale Askey versucht, massiven Einfluss auf die Meinungsfreiheit von wissenschaftlichen Bibliothekaren und damit auf die Freiheit von Forschung und Lehre zu nehmen. Die Veröffentlichung einer qualifizierten Bewertung von Publikationen durch Bibliothekare ist Ausdruck einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Der Versuch der Unterdrückung einer derartigen öffentlichen Meinungsbildung stellt einen sehr ernsten Angriff auf unsere Demokratie und die freie Meinungsäußerung dar.

Daher appelliert Bibliothek & Information Deutschland an Edwin Mellen Press auch die private Klage gegen Dale Askey zurück zu nehmen.

Ich gehe zwar davon aus, dass diese Stellungnahme echt ist. Eine Publikation dieser Stellungnahme an prominenterem Ort, z.B. auf der BID-Webseite, wäre dennoch wünschenswert. Bislang (23. April 2013) ist dort nichts zu finden.

[Besten Dank an Heinz für den Hinweis!]

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Infobib: Schwedische Statistik-API

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 8:20

Statistics Schweden hat jetzt eine API, die unter einer CC-BY-ähnlichen Lizenz genutzt werden darf. Kommerzielle Nutzung ist erlaubt, Derivate auch. Namensnennung bei Nicht-Derivaten ist vorgeschrieben. Weitere Infos in der FAQ.

[via Access to Statistics]

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Duftender Doppelpunkt: 75 Jahre Bücherverbrennung in Salzburg – Literaturquiz Teil 7

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 7:00

Anlässlich des Gedenkens an die Bücherverbrennung am 30. April 1938 in Salzburg, firmiert der 7. Teil des Literaturquizes, mit dem wir an die Bücherverbrennungen 1933 / 1938 erinnern, diesmal ausnahmsweise unter dem Titel „75 Jahre Bücherverbrennung in Salzburg“.

Der Fischer Taschenbuchverlag stellt jeweils ein Exemplar zweier Titel des gesuchten Autors zur Verfügung. Weiters können Sie diesmal Publikationen der Verlage Milena, Promedia, Zweitausendeins und C.Bange gewinnen.

Die Quizfragen:
Wie heißt der gesuchte Autor?
Wie lautet der Titel seiner posthum erschienen Autobiografie?
Nennen Sie mindestens einen Literaten, den der Autor im Exil unterstützt hat.

Antworten bitte an: Literaturblog Duftender Doppelpunkt

Einsendeschluss: Dienstag, 07. 05. 2013 um 12:00 Uhr.

Erinnerung: Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftenden Doppelpunkt.

Das literarische Rätsel

Als Sohn eines Großindustriellen und einer Bankierstochter in Wien des Fin de Siècle aufwachsend, erfüllt er die bildungsbürgerlichen Ansprüche seines Elternhauses. Er maturiert und studiert Germanistik und Romanistik.

Im Winter 1900 schreibt er voller Stolz an Karl Emil Franzos (1848 – 1904), dem Herausgeber der Halbmonatszeitschrift „Deutsche Dichtung“: „Ich habe jetzt einen Gedichtband zusammengestellt unter dem Titel ‚Silberne Saiten‘, der 50 Gedichte enthält, d. h. die genaueste Auslese.“ Als das Buch 1901 im Verlag Schuster & Löffler in Berlin veröffentlicht wird, ist er gerade einmal 19 Jahre. Zu seiner großen Freude vertont Max Reger (1873 – 1916) später zwei dieser Gedichte.

Mir wird der Herbst so nah. Ich fühle seinen Frieden:
Mein Herz wird reich und groß in weitem Einsamsein.
Denn Schwermut, die die dunklen Dörfer überweht,
Hat meiner Seele viel von ihrem Glück gegeben.
Nun tönt sie leiser, eine Glocke im Gebet,
Und glockenrein und abendmild scheint mir mein Leben,
Seit es des Herbstes ernstes Bruderwort versteht.
Nun will ich ruhen wie das müde dunkle Land…
Beglückter geht mein Träumerschritt in leise Stunden,
Und sanfter fühle ich der Sehnsucht heiße Hand.
Mir ist, als hätt` ich einen treuen Freund gefunden,
Der mir oft nah war und den ich nie gekannt.

1904 erscheint seine erste Novelle „Die Liebe der Erika Ewald“. In diesem Jahr schließt er auch sein Studium mit dem Doktor der Philosophie ab.

Durch seine vielen Reisen, so besucht er bereits 1910 Indien und 1912 Nord- und Mittelamerika, lernt er zahlreiche Literaten und Künstler kennen, mit denen er, teilweise freundschaftlich verbunden, eine umfangreiche und langjährige Korrespondenz führt.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig zum Militär und arbeitet im k. u. k. Kriegsarchiv. Die Realität des Krieges ist ihm, auch fern des millionenfachen Sterbens, rasch bewusst und lässt ihn zum engagierten Pazifisten werden. 1917 vom Militärdienst entlassen, reist er in die neutrale Schweiz nach Zürich. Von dort aus arbeitet er als Korrespondent für die „Neue Freie Presse“ und publiziert seine humanistische Weltsicht auch in der „Pester Lloyd“.

Die Aufgabe des Schriftstellers und Publizisten sieht er nicht darin, unmittelbar politisch Stellung zu beziehen. Seine zunehmende internationale Bekanntheit nutzt er allerdings konsequent, um für humanistische und pazifistische Werte einzutreten.

Er überträgt das Werk bedeutender Autoren, wie jenes des Franzosen Romain Rolland (1866 – 1944) oder des Belgiers Emile Verhaeren (1855 – 1916) ins Deutsche: „Dem eigenen Wunsch und dem Rate Richard Dehmels folgend, nützte ich meine Zeit, um aus fremden Sprachen zu übersetzen, was ich noch heute für die beste Möglichkeit für einen jungen Dichter halte, den Geist der eigenen Sprache tiefer und schöpferischer zu begreifen …“

1919 bezieht er das bereits im Ersten Weltkrieg erworbene Paschinger Schlössel am Salzburger Kapuzinerberg. 1920 heiratet er die Schriftstellerin Friederike von Winternitz (1882 – 1971). Während der gemeinsamen Jahre in Salzburg unterstützt sie, unter Einschränkung ihres eigenen literarischen Schaffens, die Arbeit ihres Mannes.

Salzburg ist für ihn ein „produktives Pflaster“. Er schreibt unter anderem Novellen, Erzählungen, Theaterstücke und Biografien.

Die Gefahr des Nationalsozialismus erkennt er nicht in ihrer vollen Tragweite, hofft vielmehr, es wird alles rasch vorübergehen.

So schreibt er im Jänner 1932 an den französischen Literaturnobelpreisträger und Pazifisten Romain Rolland (1866 – 1944): Er „fürchte die Hitler-Anhänger nicht, selbst wenn sie an die Macht kommen“, denn „nach zwei Monaten werden sie sich selbst zerfleischen.“

Am 10. Mai 1933 wird er demselben fassungslos mitteilen: „Nicht ein Protest eines deutschen Schriftstellers gegen das Autodafé von Werfel, von Wassermann, von Schnitzler, von mir! Keiner, keiner, keiner! Nicht mal in einem privaten Brief!! (…) Ich bin derselbe Mensch, derselbe Schriftsteller wie vor 14 Tagen, ich habe seitdem nicht eine Zeile publiziert.
Aber seit dem Moment, da ich auf der Liste dieser 18jährigen kleinen Hanswurste stehe, wagt niemand mehr, mir zu sagen: ‚Wie geht´s, lieber Freund.‘ Ach, sie haben schon um solche Kleinigkeiten Schiß: stellen Sie sich vor, wie es erst in wirklicher Gefahr oder im Kampfe sein wird.“

Sein Freund Joseph Roth (1894 – 1939) ist da um vieles hellsichtiger, dieser schreibt ihm im April 1933: „Unsere Bücher sind im Dritten Reich unmöglich. Nicht einmal inserieren wird man uns. Auch nicht im Buchhändler-Börsenblatt. Die Buchhändler werden uns ablehnen. Die SA-Sturmtruppen werden die Schaufenster einschlagen.“

Nachdem der Nationalsozialismus immer stärker nach Österreich ausstrahlt und es einige Tage nach dem Ende des Bürgerkriegs („Februar 34“) zu einer polizeilichen Durchsuchung in seinem Haus kommt, übersiedelt der Autor nach London.

Seine Frau bleibt vorerst in Salzburg. Nach ihrer Scheidung 1938 emigriert sie nach Frankreich und später in die USA. Dort arbeitet sie als Übersetzerin und schreibt unter anderem biografische Werke über ihn.

Er enthält sich weiterhin einer eindeutigen Parteinahme gegen den Nationalsozialismus. So betont er in seiner Rede am P.E.N.-Kongress 1937 in Paris – das Treffen ist vom Spanischen Bürgerkrieg und vom Mord an Garcia Lorca (1898 – 1936) durch die spanischen Faschisten überschattet – es müsse „die Unberührbarkeit der dichterischen Aufrichtigkeit unversehrt bestehen bleiben.“

Seine finanziellen Mittel und seine Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten setzt er immer wieder ein, um zu helfen. So unterstützt er Joseph Roth (1894 – 1939) und Ernst Weiß (1882 -1949) mit monatlichen Zahlungen. Eine argentinische Auszeichnung lehnt er dankend ab und bittet statt dessen um Visa für drei Flüchtlinge.

In England lebt er gemeinsam mit seiner Sekretärin Lotte Altmann (1908 – 1942), sie heiraten 1939. Ein Jahr später erhalten sie die britische Staatsbürgerschaft. Bald darauf verlassen sie Europa.

Bereits 1936, auf dem Weg zum Treffen des PEN-Clubs im argentinischen Buenos Aires, lernt er Brasilien kennen und wird begeistert aufgenommen. Das Land wird für ihn zum Gegenbild des von Krieg und Rassismus zerstörten Europas. In einem Vortrag unter dem Titel „Dank an Brasilien“ vor der Brasilianischen Literaturakademie in Rio schließt er mit den Worten: „Und wenn ich mir vom Leben noch etwas Schönes wünschen darf zu dem unerschöpflich Schönen, das ich hier gesehen und empfangen habe, so wäre es dies: – wiederkehren zu dürfen in dieses wunderbare Land!“

Auf den Tag genau, vier Jahre nach seiner ersten Ankunft, betritt er gemeinsam mit seiner Frau wieder brasilianischen Boden.

Getulio Vargas (1882 – 1954), er regierte von 1937 – 1945 mit diktatorischer Vollmacht, hat in der Zwischenzeit den Notstand ausgerufen, alle politischen Parteien verboten und den „Estado Novo“ („Neuer Staat“) proklamiert. Eine Reihe führender Männer des Regimes befürworten zu diesem Zeitpunkt freundschaftliche Beziehungen mit dem nationalsozialistischen Deutschland.

1941 dankt er Brasilien für die freundliche Aufnahme mit dem kulturpolitischen Essay „Brasil – Païs do futuro“ („Brasilien – Ein Land der Zukunft“). Das Buch wird von einem Teil der BrasilianerInnen, nicht zuletzt durch seine idealisierende Sichtweise, als Auftragswerk des autoritär herrschenden Regimes gesehen.

Zuletzt lebt er gemeinsam mit seiner Frau in Petropolis, 70 Kilometer von Rio, hoch in den Bergen.
In seiner Autobiografie, die er nun vollendet, hält er Rückschau: „Jener Septembertag 1939 zieht den endgültigen Schlußtrich unter die Epoche, die uns Sechzigjährige geformt und erzogen hat. Aber wenn wir mit unserem Zeugnis auch nur einen Splitter Wahrheit aus ihrem zerfallenden Gefüge der nächsten Generation übermitteln, so haben wir nicht vergebens gewirkt.“

Am 22. Februar 1942 setzen beide, durch die Einnahme von Veronal, ihrem Leben ein Ende. Sein Abschiedsbrief, „Declaração“, schließt mit folgenden Zeilen:
„Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.“

Entgegen ihrem testamentarischen Wunsch wird das Ehepaar im Rahmen eines Staatsbegräbnisses auf dem Friedhof von Petropolis zu Grabe getragen.

Im Mai 1942 beschließt die Wiener Universität, ihm den Doktortitel abzuerkennen.

***

Siehe auch den Beitrag Bücherverbrennung in Salzburg.

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Nachrichten fuer oeffentliche Bibliotheken in NRW: Facebook veröffentlicht Leitfaden für Politiker

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 5:50
Facebook hat einen Leitfaden zur Nutzung der Plattform speziell für Politiker herausgegeben. Darin werden die Vorteile von Facebook für die politische Arbeit herausgestellt. Auch Erfahrungen verschiedener Bundestagsabgeordneter mit Facebook werden dokumentiert. Heise.de berichtet: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-bringt-Leitfaden-fuer-Politiker-1842915.html
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Nachrichten fuer oeffentliche Bibliotheken in NRW: Fahrradtouren mit und für Bibliotheken

News von Planet Biblioblog - 24. April 2013 - 5:20
Seit einigen Jahren radeln Bibliothekare durch Europa um auf Bibliotheken, das Lesen und die Leseförderung aufmerksam zu machen. Der dbv hat die aktuellen Events zusammengestellt: „Hinter der Aktion mit dem schönen Titel Bicycool Library, die von öffentlichen Bibliotheken in Polen … Weiterlesen →
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Duftender Doppelpunkt: Alexander Moritz Frey

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 18:12
Literaturquiz anlässlich 80 Jahre Bücherverbrennung

Die Antworten auf das 6. literarische Rätsel des dreiundzwanzigteiligen Quizes

Diesmal fragten wir nach einem Autor, der 1933 von einem Freund im Kofferraum seines Wagens über die Grenze nach Österreich gebracht wurde.

Neben dem Namen des Schriftstellers und dem Titel seines phantastischen Romans aus dem Jahre 1914 wollten wir auch den Namen des Freundes wissen.

Autor: Alexander Moritz Frey (1881-1957)
Titel: Solneman der Unsichtbare
Freund: Alfred Neumann (1895-1952)

Erinnerung:
Wenn Sie an die jeweils aktuelle Quizrunde erinnert werden möchten, senden Sie bitte einfach ein leeres Mail mit dem Betreff „Literaturquiz Erinnerung“ an das Literaturblog Duftender Doppelpunkt.

Falls die Informationen, die wir für Sie über Alexander Moritz Frey im „Duftenden Doppelpunkt“ zusammengetragen haben, nicht ausreichen, sind Sie eingeladen, in folgenden Sites zu blättern:

Alexander Moritz Frey: Der phantastische Satiriker

Leseprobe zu Stefan Ernsting: Der phantastische Rebell A. M. Frey oder …

Alle bisherigen Fragen, Antworten und die das Quiz begleitenden Beiträge finden Sie auf der Seite „Literaturquiz zur Bücherverbrennung 1933″.

Die nächsten Quizfragen stellen wir am Mittwoch, dem 24. 04. 2013. Zu deren Beantwortung haben Sie bis Dienstag, dem 07. 05. 2013 um 12:00 Uhr Zeit.

Die Preise und ihre GewinnerInnen

A. M. Frey: Die Pflasterkästen aus dem Elsinor Verlag geht an J. Hentzschel.

Der 1929 veröffentlichte Roman erregte in der Spätphase der Weimarer Republik beträchtliches Aufsehen und wurde sogar ins Polnische, Niederländische und Englische übersetzt. Kritiker wie W. E. Süskind stellten ihn über Remarques Im Westen nichts Neues („Frey gelingen Gestalten, Feldärzte und Kommandeure, in denen eine Wahrheit des Krieges enthalten ist, von der Remarques Buch höchstens eine Andeutung gibt.“), und Carl von Ossietzky konstatiert in der Weltbühne: „Die Gloriole des Kriegsgottes wird stinkend und vertropft als grüner Eiter … Hier führen, so seltsam es klingen mag, die Toten das Wort.“ Entsprechend heftig reagiert die national gesinnte Presse; folgerichtig landen die Pflasterkästen 1933 in den Feuern der Bücherverbrennungen. Seither ist es um den Autor still geworden; ein Jahrhundert nach Beginn des Ersten Weltkrieges ist es an der Zeit, einen der bedeutendsten pazifistischen Romane über jenen Krieg neu zu entdecken.

Via Elsinor Verlag

Erich Hackl: Abschied von Sidonie aus dem Diogenes Verlag geht an M. Klein.

… in einer knappen, präzisen Sprache erzählt Hackl das bewegende Schicksal Sidonies, ihr kurzes Glück bei den Pflegeeltern und deren verzweifelte Bemühungen, das Kind vor dem ihm zugedachten Ende zu bewahren. „Abschied von Sidonie “ist nicht nur eine Chronik der Gewalt, von „Trägheit des Herzens“ und Bestialität des Anstands, sondern auch eine Liebeserklärung an Menschen, die in großen wie in kleinen Zeiten Mitgefühl und Selbstachtung vor falsch verstandene Pflichterfüllung gestellt haben. Zugleich gibt das Buch einen tiefen Einblick in den Zustand eines Landes und seiner Bewohner, zeigt, was möglich war und was wirklich wurde, und was davon geblieben ist.

Via Diogenes Verlag

Leontina Arditti: An meinem Ende steht mein Anfang. Ein jüdisches Leben in Bulgarien aus dem Milena Verlag geht an A. Schmidt.

Leontina Arditti wurde 1929 in Sofia geboren. Ihre Autobiographie, die hiermit in deutscher Sprache vorliegt, erschien erstmals 1995 in dem bulgarischen Verlag Schalom.
Es ist die Geschichte ihrer Mädchenzeit und Jugend in der Zeit des Holocaust, die sie – aus der Perspektive des Mädchens – ausgesprochen plastisch, farbenreich und gefühlvoll erzählt.
Die Geschehnisse dieser Zeit und das Schicksal ihrer sowie vieler anderer jüdischer Familien in Bulgarien ist mittel- und westeuropäischen LeserInnen bislang noch weitgehend unbekannt. Eindrucksvoll schildert Arditti aus ihren Erinnerungen, wie die Rettung von 50.000 Jüdinnen und Juden während des 2. Weltkrieges möglich war.

Via Milena Verlag

Hermann Vinke: Das kurze Leben der Sophie Scholl aus dem Verlag Hörbuch Hamburg (Silberfisch) geht an K. Siebler.

Sophie Scholl wurde am 22. Februar 1943 mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie war Mitglied der Weißen Rose, die bis heute den Widerstand gegen Hitler verkörpert. Scholl-Experte Hermann Vinke zeichnet das zutiefst anrührende Bild einer jungen Frau, die lieber starb, als ihre Aufrichtigkeit vom Staatsterror zerstören zu lassen. Eine Haltung, die bis heute nicht an Faszination verloren hat.

Via Verlag Hörbuch Hamburg

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Medinfo: Homepage der 14. EAHIL-Konferenz online

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 15:18

“Divided we fall, united we inform” ist das Motto der nächstjährigen EAHIL-Conference 14th EAHIL 2014 Conference 11-13 June, Rome, Italy.

Ich lobe ein Exemplar des Buchs Medizinbibliothek & Marketing in der Zukunft aus für denjenigen, der mir (als erster) die Herkunft des neckigen Reigens auf dem Konferenzlogo nennt.

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netbib weblog: Eilige Fristsache (für Vampirfreunde)

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 14:29

Eric Steinhauer teilt in INETBIB mit: “Liebe Liste, zum Welttag des Buches steht die “Vampyrologie für Bibliothekare” in der aktuellen (!) zweiten Auflage GRATIS zum Runterladen auf der Homepage des Verlages zur Verfügung: [eisenhutverlag.wordpress.com] Die Datei steht bis morgen 12:00 bereit.”

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Corvus Corax heidelbergensis: Hilfe, wir haben ein Smartboard! ;-))

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 14:03
Seit Kurzem haben auch wir in einem unserer Räume ein Smartboard. Normalerweise angeschlossen an den Schulungsrechner gibt es aber auch die Möglichkeit für Angehörige der Universität, dieses mit dem eigenen Laptop zu nutzen. Aber auch wir als Schulende sind gehalten, … Weiterlesen →
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netbib weblog: So etwas wie die Quadratur des Kreises

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 13:09

Trotz Sparpolitik soll der Gesamtbetrieb nicht gefährdet werden, die Nutzer möglichst wenig merken. Das sind die wichtigen Sätze in einem Bericht in Der Westen über die Leiterin der Stadtbücherei Bochum nach einem halben Jahr in dieser Funktion. Bochum? Was das nicht Herr Erdmann, im Facebook-Account oder doch im Blog?

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netbib weblog: Schulblibliothek? Fahrbibliothek?

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 12:59

Schüler gestalten einen Bauwagen als Bibliothek: Ein Büchereiwagen auf der Wiese vor der Löwenburgschule in Bad Honnef wurde von einer Klasse als Projekt innerhalb einer Woche ausgebaut. [via Bonner General-Anzeiger]

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LIBREAS.Library Ideas: Utopie und Praxis. Anmerkungen zur Digital Public Library of America.

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 11:43
von Ben Kaden Am Anfang steht in gewisser Weise ein Remix, was gut passt, sind doch die USA per se so etwas wie eine grundständige Remixkultur. In zwei nahezu mythischen Bausteinen des Selbstverständnisses der USA verankerte Robert Darnton die Idee der Digital Public Library of America (DPLA, www.dp.la). Erstens in dem Streben nach einer an [...]
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Infobib: Psy/Alex in der Stabi Hamburg

News von Planet Biblioblog - 23. April 2013 - 10:40

Die Hamburger Stabi hatte Besuch von alex.tv für die Dreharbeiten zur deutschen Version von Psys Gentleman. Dazu im Stabi-Blog:

Die anwesenden Nutzerinnen und Nutzer im Informationszentrum haben in den Nachmittagsstunden etwas verwundert Dreharbeiten an der Auskunftstheke und an den Kopierern zur Kenntnis genommen.

[via Textundblog]

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